Mirjam Niemeyer: «Die Städte sind nicht für nachhaltigen Verkehr angelegt»

Wozu brauchen wir noch ein Auto – und wozu eben nicht ? Die Städtebau-Expertin Mirjam Niemeyer war Podiumsgast beim ersten Polestar Future Talk und sprach mit Strategie-Spezialist Thomas Sevcik über die Stadt der kurzen Wege, fehlenden Platz zum Velofahren und mehr Freiraum.

Mit Eigenverantwortung erreichen wir nichts.
Mirjam Niemeyer

Am ersten Future Talk sassen Mirjam Niemeyer, Thomas Sevcik und Moderator Stephan Sigrist vom Thinktank WIRE vor einem interessierten Publikum im Polestar Space in Zürich und diskutierten über die Mobilität der Zukunft. Dabei gingen sie unter anderem der Frage nach, ob nachhaltige Mobilität eine Hoffnung darstelle oder bloss ein Hype.

Die Meinung, dass unsere Gesellschaft sich in einer Übermobilität befindet, teilten die Städtebauexpertin Mirjam Niemeyer mit ihrem Mitstreiter Thomas Sevcik. «Das Problem ist nicht der Berufs-, sondern der Freizeitverkehr», sagt Mirjam Niemeyer. Wir reisen zu viel und zu günstig – sei es mit dem Auto, dem Zug oder dem Flugzeug. Für sie ist allerdings auch klar, dass ohne grosse Anreize niemand freiwillig seine Gewohnheiten verändere. «Mit Eigenverantwortung erreichen wir nichts.» 

In der Stadt führt dies dazu, dass der Platz für nachhaltige Mobilität zu eng wird: «Die Städte sind nicht für nachhaltige Mobilität angelegt. Es gibt zu wenig Platz. In Zürich etwa fehlt schlicht der Platz zum Velofahren. Daher braucht es neue städtebauliche Konzepte.»

In der dicht besiedelten Stadt fehlt es an ausreichend Freiräumen, an den Rändern fehlt die Urbanität.
Mirjam Niemeyer

Ein Ansatz für Mirjam Niemeyer ist die «Stadt der kurzen Wege»: Was man im Alltag braucht, sollte in jedem Quartier zu Fuss erreichbar sein. Heute ist man zwar in den Innenstädten nicht auf ein eigenes Auto angewiesen, in der Agglomeration hingegen schon – und auf dem Land erst recht. Es gelte, diese Lücke in den sogenannten «Zwischenstädten» zu schliessen, damit Geschäfte des täglichen Bedarfs in Fussdistanz liegen. Genauso solllten allerdings auch weitere Angebote, wie Shops, Bars, Restaurants, Plätze und Freizeiteinrichtungen, fussläufig erreichbar sein. Zusammengefasst bedeutet das: «In der dicht besiedelten Stadt fehlt es an ausreichend Freiräumen, an den Rändern fehlt die Urbanität.»

Mirjam Niemeyer ist Partnerin im international tätigen Architektur- und Planungsbüro helsinkizurich und ist passionierte Städtebauerin. Sie ist Dozentin an der ZHAW Winterthur und im Vorstand der ZBV Zürcher Studiengesellschaft für Bau- und Verkehrsfragen. Als Mitglied der Initiative Ro3kvit setzt sie sich für den Neuaufbau der Ukraine ein. Ro3kvit ist ein gemeinnütziges Netzwerk, welches unter anderem eine Methodik für den Wiederaufbau der (physischen) Infrastruktur und der Städte der Ukraine entwickelt. «Ich habe mehrere Jahre in der Ukraine gearbeitet. Deshalb sind mir Land und Bevölkerung besonders ans Herz gewachsen», sagt Mirjam Niemeyer.

Am Ende müssen wir die Flächen in den Städten neu verteilen: Mehr Nutzungsüberlagerungen, weniger motorisierter Verkehr, dafür mehr Freiraum und Grünflächen.
Mirjam Niemeyer

Mirjam, die mit ihrer Familie in der Genossenschaft Kalkbreite, einem wegweisenden Wohnungsbau mitten in der Stadt Zürich lebt, sieht nur einen Weg zu mehr nachhaltiger Mobilität: «Am Ende müssen wir die Flächen in den Städten neu verteilen: Mehr Nutzungsüberlagerungen, weniger motorisierter Verkehr, dafür mehr Freiraum und Grünflächen.»

Es brauche im dicht besiedelten Gebiet sehr viel mehr Grün, weil es dort sonst unerträglich heiss werde und es brauche weniger Fahrzeuge, die dafür häufiger geteilt werden. «Und ich setze auf die hohe Innovationskraft der Menschen, aus der andere unerwartete Lösungen hervorgehen.»

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