«Foreign Object Debris»: Yngve Holen setzt die zeitgenössische Konsumkultur in einen neuen Kontext

Unsere Welt ist eine Welt aus Systemen. Die Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, funktioniert aufgrund solcher komplexen, weitverzweigten Netzwerke von Produktion, Vertrieb und Konsum. Was aber passiert, wenn diese Systeme versagen? Wenn man eine einzelne Komponente herausnimmt, untersucht und in einen neuen Kontext setzt? Solche Fragen faszinieren den norwegisch-deutschen Künstler Yngve Holen, der verschiedene Objekte in seiner aktuellen Einzelausstellung in einen neuen Kontext gesetzt hat. So auch einen Scheinwerfer eines Polestar 2.

In dieser Ausstellung geht es um die Perspektive eines Einzelnen, eines Konsumenten. Es geht um Ressourcen und ihre Nutzung, aber auch um das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, um Design und Wünsche.

«Foreign Objects Debris» lautet der Titel von Yngve Holens Ausstellung. Zu sehen ist sie im X Museum in Peking. Die Ausstellung befasst sich mit Themen wie Konsumkultur, Entscheidungsfindung und dem immer stärkeren Einfluss der Technologie auf das menschliche Gehirn. Chima-Krieger, Charakteren aus der 2013 erschienenen Lego-Serie «Legends of Chima», sind vergrössert und in Bronze dargestellt. Sie zeugen von einem eher spielerischen Blick auf Ressourcenknappheit und Ungleichheit. Autofelgen aus Holz ziehen Parallelen zwischen unserer natürlichen Umgebung und der zunehmenden Integration von Technologie in unseren Alltag. Und ein einzelner, vertikal aufgehängter Polestar 2 Scheinwerfer wirft die Frage auf, welche Emotionen denn hinter der Konsumkultur stecken.

Können Sie das Projekt «Foreign Object Debris» kurz erklären?

Das ist der Titel der Ausstellung im X Museum. Sie ist bisher meine grösste Einzelausstellung und meine erste überhaupt in Asien. Sie erstreckt sich über acht Galerien und einige wenige kleinere Räume dazwischen. Der Titel vereint alle dort gezeigten Werke. Meine Arbeit enthebt oft einzelne Komponenten ihrer ursprünglichen Funktion und setzt sie in einen neuen Kontext. Etwas aus einem funktionieren System herauszunehmen, um es aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, ermöglicht ein ganz neues Verständnis. Für mich ist es ein passender Begriff, um diese Beziehung zu erklären, die entsteht, wenn etwas, das aus dem System entnommen wurde, trotzdem ein Teil davon bleibt. Der Begriff «Foreign Object Debris» stammt aus der Luftfahrt. Er bezieht sich auf etwas, das beim Bau eines Flugzeuges vergessen oder zurückgelassen wurde und nun dort oben herumfliegt. Ein vergessenes Objekt, das eine Gefahr für die Sicherheit des Flugzeugs darstellt.

Welches sind die zentralen Themen dieser Ausstellung? Welche Botschaft wollen Sie mit Ihren Werken vermitteln?

Während den zweieinhalb Jahren, in denen ich an der Ausstellung gearbeitet habe, gab es immer wieder neue Wendungen. In meiner Arbeit ging es oft um kollektive Erfahrungen, wie zum Beispiel das Fliegen in einem Flugzeug. In dieser Ausstellung geht es hingegen mehr um die Perspektive einer einzelnen Person, eines Konsumenten. Es geht um Ressourcen und wie sie genutzt werden. Aber auch um das Verhältnis zwischen Objekten und dem menschlichen Körper, zwischen Form und Wünschen. Die Autofelge, das Haus, die bronzenen Halb-Tier-halb-Roboter-Figuren symbolisieren alle den Kampf um Ressourcen. Sogar der Scheinwerfer. In einer stark konzentrierten Form. Mir gefällt, dass wir beides haben, das Barbiehaus und die Krieger. Ein Szenario, das Krieg und alltäglichen Konsum vereint. Ursprünglich wollte ich Castle Grayskull von He-Man aus der Serie «Masters of the Universe» verwenden, aber das war mir dann doch zu…machomässig. Mit dem Barbiehaus funktioniert es viel besser. Das ist eine gute Mischung.

Castle Grayskull ist auch nicht gerade subtil.

Nein! Ganz und gar nicht.

 

Ein beherrschendes Thema in Yngve Holens Werken ist das menschliche Gehirn. In früheren Projekten wie «Parasagittal Brain» sezierte der Künstler Wasserkocher mit heissem Wasser und stellte damit das Gehirn dar, das über sich selbst nachdenkt. Es überrascht daher nicht, dass sich diese Themen auch durch seine neueste Ausstellung ziehen.

 

Wie zeigt sich Ihr Interesse am menschlichen Gehirn in dieser Ausstellung?

Zuvor habe ich ein Magazin mit dem Titel ETOPS gemacht, ein Projekt, das ebenfalls von der Luftfahrtindustrie inspiriert ist, und bei dem es ums Gehirn ging. Wir veröffentlichten darin neun oder zehn Interviews zum Thema Neurowissenschaften. Viele der Bronzefiguren dieser Ausstellung sind nach ihren Titeln benannt. Das Barbiehaus trägt den Namen «Neuroökonomie». Der Begriff bezieht sich auf Studien des menschlichen Verhaltens in Entscheidungssituationen. In gewisser Weise geht es also darum, wie Wünsche entstehen und befriedigt werden und darum, was uns den Impuls gibt, etwas zu wollen. Vieles läuft unbewusst ab, wir sind uns über vieles nicht bewusst, das den Ausschlag zu unserem Verhalten gibt, wenn wir diese Entscheide treffen.

01/09

Sie untersuchen auch, wie der technologische Fortschritt unser Verhalten verändert. Wie denken Sie über die Entwicklung hin zum elektrischen Fahren?

Ich liebe Elektroautos. Ich finde es toll, dass ich mich nicht mit dem Schaltknüppel herumquälen muss. Das ist so langweilig. Ich habe mich noch nie für Motoren interessiert. Ich interessierte mich immer nur für das Design eines Autos. Hier in Oslo fahre ich ein Elektroauto. In Norwegen sind wir bereits im elektrischen Zeitalter angekommen. Autos gibt es so viele, dass man gar nicht an ihnen vorbeischauen kann. Was wäre, wenn ich Zeit damit verbringen würde, durch Oslos Strassen zu gehen? Was würde das über die Gesellschaft aussagen? Welchen ästhetischen Input erhielte ich?

 

Wieso verwenden Sie Autokomponenten? Gab die Installation «VERTICALSEAT» den Ausschlag? Oder war es etwas anderes?

Schon früh habe ich Stossstangen von Autos benutzt. Als mittelloser Student fand ich eine Stossstange und vereinte sie mit einer Waschmaschine zu einer Skulptur. Damals drehte sich alles um Reinheit. Sie hiess «Sensitive to Detergent». Ich machte Skulpturen, die man wie ein Auto pflegen musste. Die Waschmaschinentrommel erinnerte mich an ein Rad. Ich fand es daher witzig, das Rad mit der Waschmaschinentrommel zu ersetzen. Im Innern befand sich ein 3-D-gescanntes Huhn aus einem spülmaschinenfesten Material. Hätten Sie die Skulptur gekauft, hätten Sie sie abstauben und polieren müssen, so wie ein Auto. Das war der Beginn meiner Arbeit mit Autos.

 

Wieso wählten Sie gerade den Scheinwerfer? Und wieso trägt die Skulptur den Namen «Heart»?

Ich habe schon vorher mit Scheinwerfern gearbeitet. Für die Ausstellung im X Museum sah ich mir viele unterschiedliche Elektroautos an. Letztlich entschied ich mich für den Polestar. Sein Scheinwerfer gefiel mir gut. Ich fand es toll, dass sich Thors Hammer, wenn man ihn kippt, in ein «Y» verwandelt, der erste Buchstabe meines Vornamens. In dieser Position ähnelt er einem Herzen, das man aus dem Brustkorb herausgerissen hat. Bisher habe ich auch noch nie orangefarbene Scheinwerfer verwendet. Normalerweise mag ich sie nicht. Aber der Polestar Scheinwerfer hat ein fast pfirsichfarbenes LED-Licht, das ich ästhetisch und konzeptionell passend fand. Zudem gefiel mir die Anspielung, dass ich als Skandinavier eine Ausstellung in China mache.

 

Sie interessieren sich auch stark für die Konsumkultur und die Fetischisierung von Objekten. Wie stehen Sie zur Bewegung hin zu mehr Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit?

Es führt kein Weg daran vorbei. Das ist eine Tatsache. Und so muss es sein. Früher ging es in meinen Arbeiten oft um die Idee des Scheiterns in grossem Massstab. Du erhältst zum Beispiel dein Stück Fleisch, du fährst dein Auto, aber du nimmst nie wahr, wie viele es davon gibt. Du steckst in dieser individualisierten Blase, wo alles einen absoluten Sinn ergibt. Und dann passiert plötzlich so etwas wie der Dieselskandal und du siehst dieses Bild von unglaublich vielen Autos, die an irgendeiner Grenze feststecken. Mich interessierte schon immer, was passiert, wenn das Vertriebssystem nicht funktioniert oder eine Störung auftritt, und du siehst, wie Dinge irgendwo stecken bleiben. Du spürst praktisch physisch, wie alle Ressourcen verbraucht werden. Diesen Moment finde ich faszinierend.

 

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