Das kälteste Klassenzimmer der Welt: Polestar 2-Testfahrten in Jokkmokk

Tests. Sie werden uns schon in der Schule beigebracht, doch werden sie fast überall mit Abscheu betrachtet. Sie wecken Erinnerungen an Angst, an nächtliches Lernen, an eine alles verzehrende Furcht vor dem Versagen. Tests sind einfach schrecklich. Joakim Rydholm tut sein Bestes, um diese Furcht zu ändern.

Während er einen Polestar 2 über den Schnee und das Eis von Jokkmokk steuert, macht Rydholm einen Test, genauso wie ein Schüler, der in einem Klassenzimmer sitzt. Er misst die verschiedenen Fähigkeiten des Polestar 2 nördlich des Polarkreises. Zu sehen, wie sich der vollelektrische Fastback unter extremen Bedingungen verhält, ist ein großer Teil von Rydholms Aufgaben als Fahrwerksingenieur und Testfahrer. Es ist sein Gesicht, welches in den verschiedenen Polestar-Prototypen auf der ganzen Welt vorbeifliegt, von englischen Landstraßen bis zu Spaniens sonnenverbranntem Asphalt, fast immer mit einem Grinsen, das genau das Gegenteil des Stirnrunzelns ist, das man normalerweise mit Testen verbindet.

Diese Tests reichen von der Überprüfung der Lenkung des Fahrzeugs nach einer Nacht bei -30 °C bis hin zur Überprüfung des Gleichgewichts zwischen Vorder- und Hinterachse bei Fahrten auf Eis. Nichts entgeht der Aufmerksamkeit von Rydholm und dem Team, auch bis hin zur molekularen Ebene. "Öl hat bei kälteren Temperaturen eine höhere Dichte, deshalb müssen die Öhlins-Dämpfer getestet werden, um zu sehen, ob sie optimal und geräuschlos funktionieren", erklärt Rydholm. 

Jokkmokk mit seiner Lage im Landesinneren der nordschwedischen Provinz Norrbotten ist der ideale Ort für diese Tests. Und auch für Rydholm ist es nicht das erste Mal, denn seine Winterfahrten mit Polestar reichen bis in die Zeit zurück, als der Polestar 1 prototype auf Herz und Nieren geprüft wurde. 

"Natürlich ist es hier oben kalt", lacht Rydholm. "Aber die Temperatur schwankt von Tag zu Tag. Um genaue Tests durchführen zu können, müssen wir sie unter denselben Bedingungen wiederholen können." Aus diesem Grund nutzt das Team die Kältekammer: eine klimatisierte, 6 m x 3 m große Box, in der die Temperatur auf -30 °C gesenkt und gehalten werden kann. Handling-, Komfort-, Eis- und geteilte Reibungskurse (bei denen ein Reifensatz auf Eis und der andere auf Asphalt fährt) ergänzen die gesamte Palette der Testeinrichtungen des Standorts am Polarkreis. 

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Auf die Frage nach Tipps für das Fahren im Winter antwortet Rydholm, dass er die Bedeutung von Klimazeitschaltuhren hervorhebt. "Das Heizsystem verbraucht Energie, um den Innenraum und die Batterie zu heizen", erklärt er. "Man sollte das Auto also vorklimatisieren, um die Effizienz zu erhöhen, am besten, wenn es an der Steckdose angeschlossen ist." Er betont auch, dass das Fahren im Winter wegen des erhöhten Rollwiderstands durch Schnee und Matsch ohnehin mehr Energie verbraucht. "Ansonsten sollte man das Auto wie ein normales Auto fahren", fährt er fort. "Das ist schließlich der Grund, warum wir diese Tests durchführen."

Natürlich fand Rydholm einen Weg, die ohnehin schon unterhaltsame Aufgabe noch aufregender zu gestalten: eine experimentelle "Winterrallye"-Version des Polestar 2. Mit einer um 30 mm höheren Fahrhöhe, einer um 30 % reduzierten Federrate, vier zusätzlichen Lichtern für die polare Dunkelheit, einer "Schneeschaufel" aus Kohlefaser (kein Scherz) im Kofferraum, Reifen mit 490 4-mm-Stollen und einem Lenkrad-Paddel-gestützten Startkontrollsystem. Mit seiner mattgrauen und weißen Lackierung und den Recaro-Sitzen mit schwedischem Goldakzent ist diese Einzelanfertigung des Polestar 2 unverwechselbar und zweifellos Polestar. 

"Ich wollte mehr Spaß als sonst haben mit diesem Auto. Die Ausgewogenheit und Vorhersehbarkeit, die wir mit der erhöhten Fahrhöhe und den speziellen Reifen erreicht haben, sind besonders spürbar, wenn man mit einem überdurchschnittlichen Lächeln im Gesicht und absoluter Kontrolle in eine Kurve fährt", schließt Rydholm. 

Bei der Erwähnung einer Prüfung läuft es vielen immer noch kalt den Rücken hinunter. Für Rydholm ist es das, was er am meisten genießt.

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