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Seelenverwandte: Harman Kardon und Polestar

Harman Kardon entwirft innovative Premium-Audiosysteme für Heim und Auto, unter anderem für den Polestar 2. Wir haben uns mit den Designern Philipp Siebourg und Jan Geisler über den Bereich Car Audio, gestaltungstechnische Herausforderungen und die Bedeutung hocheffizienter Lautsprechergitter unterhalten.

Können Sie sich vielleicht kurz vorstellen?

Geisler: Ich bin Jan Geisler und als Industriedesigner bei Huemen tätig, der internen Designagentur von Harman. Neben einigen anderen OEM-Kunden betreue ich primär Polestar. Ich arbeite mit den Designteams der Hersteller an der Integration unserer Audioanlagen in ihre Fahrzeuge. Ausgesprochen wird unser Firmenname übrigens wie das englische „human“.

Siebourg: Jan ist Teil meines Teams. Ich leite den Bereich Car Audio Design in Huemens globalem Team, das alle Marken von Harman abdeckt: Harman Kardon, JBL, AKG, Revel, Infinity, Mark Levinson und Lexicon. Dazu kommen Kollaborationen mit Unternehmen wie Bang & Olufsen. Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass unsere Produkte die DNA dieser Marken genau widerspiegeln.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Entwicklung von Soundsystemen für Autos, insbesondere Elektroautos?

Geisler: Gute Frage. Es ist immer eine Herausforderung, ein Soundsystem für ein Auto zu entwickeln. Das hat nicht unbedingt etwas mit dem Antrieb zu tun. Es geht um die Akustik, die Einbauorte und, was am allerwichtigsten ist: Es geht darum, die Design-DNA zweier Marken so zu vereinen, dass am Ende beide damit glücklich sind. Der Polestar 2 ist minimalistisch, zeitlos und präzise – nicht nur die Linien in seinem Innenraum, sondern auch die Materialien. WeaveTech zum Beispiel ist seiner Zeit voraus. Darum passen unsere Marken auch so gut zusammen, denn Harman Kardon hat sich seit jeher Werten wie Raffinesse, Zeitlosigkeit und Präzision verschrieben. Eine Herausforderung bei der Zusammenarbeit mit Polestar war, dass es nur eine Stelle gab, an der wir unser bekanntes 60°-Lochmuster anbringen konnten: den Centerlautsprecher. Je nachdem, wo die Insassen sitzen, hätten sie das Muster aber nicht im 60°-Winkel wahrgenommen. Gemeinsam mit Lisa Reeves [Head of Interior Design] und Juan Pablo Bernal [Interior Design Manager] hatten wir dann die Idee, dieses Muster gerader und somit etwas symmetrischer zu machen. Das war eine Premiere für uns. In anderen Autos bestehen wir auf dem 60°-Muster, aber beim Polestar 2 passte ein geradlinigeres Gitter in der Mitte einfach so gut. Und dann kamen wir zu diesem Knopf [in der Tür], der mir persönlich sehr gut gefällt. Er ist ein cleveres und subtiles Easter Egg, das man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sieht. Das war meiner Meinung nach die größte Herausforderung: zwei Welten zusammenzubringen und zugleich den Wiedererkennungswert unserer Marke zu erhalten. Und das in einem Auto, das nicht protzen will. Der Knopf ist eine sehr elegante Lösung, finde ich.

Siebourg: Eine der Herausforderungen beim Design von Audioanlagen für Elektroautos ist der Gesamtenergiebedarf. Bei einem Soundsystem mit all seinen Verstärkern und Lautsprechern muss man definitiv sparsam mit der Energie umgehen. Einer unserer Beiträge dazu ist das hocheffiziente Lochmuster der Lautsprechergitter. Wir reden so oft darüber. Teure Hochleistungslautsprecher sind letztendlich komplett sinnlos, wenn das Gitter davor den Sound nicht durchlässt. Wir arbeiten mit parametrischen Modellierern zusammen, um das Verhältnis zwischen den offenen und geschlossenen Bereichen so effizient wie möglich zu gestalten. Außerdem kooperieren wir eng mit unseren Zulieferern, um sicherzugehen, dass sie diese Gitter herstellen können. Ich bin sehr stolz auf den Einfluss, den wir auf den Produktentwicklungsprozess haben. Gemeinsam mit den Akustik- und Maschinenbau-Teams verbessern wir die Effizienz und das Design. Diese Präzision ist etwas, für das Harman wirklich steht.

Wie sah der Designprozess von Harman Kardon und Polestar aus?

Geisler: Diese Detailbesessenheit … (lacht). Es gab so viele Durchläufe. Alles begann mit dem 60°-Lochmuster. Ich bin so oft nach Göteborg gefahren, um verschiedene 3D-Prints (darunter auch einen mit dem 60°-Muster in die andere Richtung) vor Ort auszuprobieren. Wie würde das Muster im Links- und im Rechtslenker aussehen? Wir haben so gut wie jedes Loch am Gitterrand einzeln modifiziert, manuell verlängert und verkürzt, damit die Löcher aus jedem Winkel gut aussehen und der Kontur perfekt folgen. Auf dieser Ebene – der Anordnung der Löcher – gab es einige Durchläufe, bevor wir das richtige Muster gefunden hatten und es Lisa und ihrem Team zur Freigabe schickten. Dann wurde es vom Ingenieursteam herstellbar gemacht. Sie fügten die Formschrägen und so weiter hinzu und sendeten uns die ganzen Daten. Wir nahmen daraufhin eine abschließende Überprüfung vor; das Teil musste den Sound auch mit den Formschrägen wie erwünscht durchlassen. Beim Knopf war es genauso. Es war schon immer ein Knopf mit irgendeiner Funktion angedacht, also vereinten wir ganz im Stil von Harman Kardon Design mit Funktion.

Welche Ähnlichkeiten sehen Sie zwischen den beiden Marken?

Siebourg: Harman Kardon ist eine Marke mit einer gewissen Reife, was sich in der Materialauswahl und seiner Präsentation widerspiegelt. Es ist kein altes Produkt, sehr wohl aber mit Erfahrung verbunden. Ein Produkt, das schon etwas erreicht hat. Ich glaube, diese Erfahrung haben wir mit Polestar gemeinsam.

Der Polestar 2 ist minimalistisch, zeitlos und präzise. Deswegen passt er so gut mit Harman Kardon zusammen.

Inwieweit arbeiten Sie mit nachhaltigen und/oder recycelten Materialien?

Siebourg: Da wir keine eigenen Fertigungswerke haben, können wir die Lautsprechergitter nicht selbst produzieren. Auf die physischen Teile haben wir daher nur indirekten Einfluss. Wir bauen jedoch starke Beziehungen zu unseren Zulieferern auf, damit sie unter anderem wissen, wie sie das 60°-Muster realisieren können. Wir versuchen, gemeinsam mit den Zulieferern alternative Lösungen zu entwickeln, die wir von Zeit zu Zeit in Form einer Designstudie präsentieren. Darüber hinaus blicken wir auch in die Zukunft – wie könnte Harman Kardon künftig aussehen? Wir haben ein F+E-Team namens EPIC. EPIC steht für …

Geisler: … Early Pursuit with Innovative Concepts.

Siebourg: Genau. Dieses Ingenieursteam entwickelt Ideen und Technologien. Im Kfz-Bereich gibt es schließlich so viele Anforderungen an die Materialien und Bauteile. Wir haben auch ein auf Materialien spezialisiertes Team, das neue Werkstoffe analysiert und sie durch diesen „Filter“ der Kfz-Anforderungen laufen lässt. Wir arbeiten in einer Dreierkonstellation: das EPIC-Team, der Zulieferer und das Designteam. Wir sind die kreativen Köpfe, und manche unserer Kompetenzen gehen Hand in Hand mit EPIC, da wir die Lautsprechergitter nur bis zu einem gewissen Punkt entwickeln können.

Harman Kardon ist für sein Design bekannt. Gibt es noch weitere Designdetails, die exklusiv im Polestar 2 zu finden sind?

Geisler: Ein weiteres interessantes Detail ist die Ausführung unseres Logos. Unsere Lautsprechergitter sind normalerweise aus Stahl oder Edelstahl gefertigt, auf denen ein diamantgeschliffenes Logo sitzt. Da der Centerlautsprecher beim Polestar 2 aus Kunststoff besteht, mussten wir uns etwas anderes einfallen lassen. Das Designteam von Polestar schlug vor, Prägefolie zu verwenden, um eine ähnliche Optik zu erzielen. Aus fertigungstechnischer Sicht ist es einfacher, da man nicht das ganze Teil abdecken und dann nur das Harman Kardon Logo verchromen muss. Es ist ein einziges Teil. Wir brauchen nur ein Werkzeug. Es gibt nur ein in die Luftauslässe integriertes Teil, was auch die Anzahl der Komponenten verringert. Und ich kann gar nicht oft genug betonen, wie kollaborativ dieser Prozess war. Das gefällt mir an meinem Job am meisten. Nicht nur, dass ich einem Auto wie dem Polestar 2 meinen Stempel aufdrücken kann – was für jeden Designer toll ist, denn das Auto wird es lange geben –, sondern ganz besonders die Zusammenarbeit mit kreativen Köpfen wie Lisa und Juan Pablo. Wir ließen unser gesamtes Design-Know-how in ein fantastisches Produkt einfließen.

Siebourg: Die Türlautsprecher sind mit Stoff überzogen. Wir machen uns also das Material zunutze, das sowieso in den Türen zum Einsatz kommt. Es stammt nicht von uns; der Zulieferer hat das möglich gemacht. Für gewöhnlich schneiden wir den Stoff weg und decken den Lautsprecher mit einem Gitter ab. In diesem Fall wurde er von unserem Ingenieursteam als Bespannstoff genehmigt; er deckt den Lautsprecher ab und integriert die Audioanlage so besser in das Fahrzeug. Wir sorgen immer dafür, dass alle im Innenraum sichtbaren Komponenten unserer Marke Tribut zollen. Wenn jemand für ein Premiumsystem bezahlt, sollte sich das im Lautsprecherdesign widerspiegeln – quasi als optische Repräsentation seiner Leistungsfähigkeit. Gewöhnliche Systeme sollen sich vielleicht unauffälliger einfügen. Aber je außergewöhnlicher und leistungsstärker ein Soundsystem ist, desto mehr achtet man auf den Klang und desto präsenter soll es auch sein.

Können Sie uns mehr über Huemen erzählen?

Siebourg: Huemen gibt es seit rund zwei Jahren. Wir sind die international tätige Designagentur von Harman. Die Kompetenzen unseres bis zu 250-köpfigen Designteams sind breit gefächert, was zugleich unsere Stärke ausmacht. Nach der Gründung der Agentur wussten wir eine Zeit lang nicht, wie wir sie benennen sollten. Wir veranstalteten also einen internen Wettbewerb, bei dem zahlreiche interessante Namen, Logos und Hintergrundgeschichten hervorkamen. Wichtig war, dass wir uns selbst treu blieben. Wir designen nicht zum Spaß, sondern für die Menschen da draußen – die „humans“. Das hat uns zu unserem Namen geführt: Huemen. Die Schreibweise haben wir bewusst abgeändert, denn das englische Wort „hue“ bedeutet so viel wie Schattierung oder Nuance.

Geisler: Unser System für den Polestar 2 wurde sogar mit einem iF Award ausgezeichnet. Das ist ebenfalls sehr interessant. Der iF Award würdigt gutes Produktdesign; es gibt ihn schon seit Jahrzehnten. Vor ein paar Jahren begannen wir, auch Car-Audio-Produkte einzureichen. Und das Interessante daran ist, dass diese Produkte keine eigenständigen Produkte sind, sondern Teil eines größeren Ganzen. Das fand die Jury bemerkenswert und würdigte uns mit einem Award. Ist das nicht toll?

Siebourg: Wir sind die Einzigen auf dem ganzen Markt, die Preise für Fahrzeugaudiosysteme gewinnen. Das gelingt sonst niemandem.

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